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Zwischen Optimismus und Vorfreude: Was uns in der Krisenzeit umtreibt

Seit dem 16. März befinden wir uns in Deutschland in einem nie dagewesenen Ausnahmezustand. Seit diesem Tag sind Schulen und Kindergärten geschlossen. Wenig später folgten weitere Maßnahmen der Regierung, die das öffentliche Leben seitdem nahezu lahmlegen. Eine Situation, die für jeden einzelnen völlig neu ist. Wie gehen wir mit dieser Situation um? Wie halten wir Kontakt zu Familie und Freunden und worauf freuen wir uns am meisten, wenn die Krise fürs Erste überstanden ist? In diesem Artikel wollen wir einen ausführlichen Blick auf die Zahlen unseres Partners Civey werfen, der die Deutschen seit mehr als zwei Wochen umfassend zur aktuellen Situation befragt.

Der Optimismus in der Bevölkerung steigt

Das Wichtigste vorab: Wir werden zunehmend optimistischer. Zwar glaubten schon vor zwei Wochen etwa mehr als die Hälfte der Befragten, dass Deutschland gut durch die Krise kommen wird. Mittlerweile sind aber bereits knapp zwei Drittel davon überzeugt.

Ältere Bevölkerung ist besonders optimistisch

Ein genauerer Blick auf den vorhandenen Optimismus in den verschiedenen Altersgruppen ist besonders interessant. Zeigt er doch, dass die vom Virus am stärksten gefährdeten Menschen über 65 Jahren zeitgleich auch die optimistischsten sind.

Neben Sorge um Ansteckung stellen die soziale Isolation und mangelnde Bewegungsfreiheit die größten Probleme dar

Auch bei den Dingen, die uns aktuell die größten Probleme bereiten, gibt es gravierende Unterschiede zwischen Alt und Jung. Je jünger die Befragten, desto schwerwiegender sind die Auswirkungen sozialer Isolation und der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. Fast jeden Zweiten zwischen 18 und 29 Jahren bereitet die soziale Isolation große Probleme. Je älter die Befragten, desto größer ist die Sorgen vor einer Ansteckung. Bei den über 65-Jährigen sind es über 50 %, die sich diesbezüglich große Sorgen machen. Die Bedrohung des Arbeitsplatzes, die Versorgungsengpässe oder finanzielle Einbußen bereiten im Vergleich hingegen weit weniger Probleme.

 

Das Internet ist essenziell für die Bewältigung der Situation

Ein Leben ohne Internet ist für uns alle nicht mehr vorstellbar. Gerade jetzt helfen uns digitale Plattformen und Applikationen dabei, die Situation zu meistern. Sowohl im Job als auch im Privatleben. Klar, auch hier spiegelt sich das Bedürfnis nach Information in der gesteigerten Nutzung von Nachrichten in allen Altersgruppen wider. Bei den unter 30-Jährigen geben aber fast die Hälfte der Befragten an, dass sie jetzt häufiger Streamingdienste nutzen. Generell steigt die Online-Nutzung eher bei den Altersgruppen, die auch schon vor der Krise besonders online-affin waren. Ob Gaming, Videotelefonie oder Social Media: Etwa jeder dritte Befragte zwischen 18 und 29 Jahren nutzt diese Dienste jetzt häufiger. Ganz anders sieht es bei den älteren Befragten aus. Grundsätzlich gilt: Mit steigendem Alter lässt die Intensivierung der Online-Nutzung nach. Aber selbst bei den über 65-Jährigen nutzen zwei Drittel das Internet aktuell häufiger als vorher. Die Informationsbeschaffung ist hier allerdings deutlich dominanter. Alle anderen Aktivitäten werden in etwa zu gleichen Teilen häufiger verwendet.

(Online-) Zeitungen und die Öffentlich-Rechtlichen sind die Informationsmedien schlechthin

Wie oben erwähnt: Das Bedürfnis nach Informationen ist in allen Altersgruppen enorm ausgeprägt. Diese Informationen beschaffen sich nahezu alle Befragten hauptsächlich über das öffentlich-rechtliche Fernsehen bzw. Radio. Bei den älteren Befragten folgen die regionalen Tageszeitungen, bei den jüngeren sind es die Online-Zeitungen. Soziale Medien, private TV-Sender oder Wochenmagazine werden hingegen deutlich seltener für die Informationsgewinnung genutzt.

Medien-Fokus wird eindeutig als zu hoch eingeschätzt

Wenn es um Informationen zur aktuellen Lage geht, spielen Medien also eine große Rolle. Allerdings findet das Thema längst nicht mehr nur in den Nachrichten statt. Sondersendungen, Talk-Shows und teilweise sogar neue Shows rücken das Thema medial extrem in den Fokus. In der Bevölkerung wird dieser Fokus als zu hoch bewertet. Etwas mehr Abwechslung scheint hier also durchaus gewünscht.

Bereitschaft für Online-Shopping ist eher gering

Die Geschäfte sind größtenteils geschlossen. Dank Amazon und Co. könnten wir dennoch alles einkaufen, was wir möchten. Die Bereitschaft dafür ist allerdings recht gering. Nur ein Drittel der Befragten hat vor, jetzt vermehrt online zu shoppen. Und dies zieht sich durch alle Altersgruppen.

Lebensmittel und Online-Shopping: Noch keine große Liebe

Wenn etwas online gekauft wird, sind es eher die E-Commerce-Klassiker wie Elektronik-Artikel und Bücher. Bei Lebensmitteln ist die Bereitschaft zum Online-Shopping weiterhin noch nicht stark ausgeprägt. Aber auch hier gilt: Junge Menschen zeigen sich tendenziell offener gegenüber allen Arten des Online-Shoppings.

Lokale Unternehmen können vom Online-Shopping profitieren

Online-Shopping ist aber nicht gleich Online-Shopping. Wenn es darum geht, lokale Händler zu unterstützen, kann sich die überwältigende Mehrheit vorstellen, deren Produkte auch online zu erwerben. Eine große Chance für die aktuell besonders betroffenen kleinen, lokalen Läden und ein Vorteil für diejenigen, die sich hier schnell gut aufgestellt haben.

Große Anschaffungen müssen jetzt warten

In der Krise fokussieren wir uns auf das Wesentliche. So ist es ganz offensichtlich auch beim Konsum. Größere Anschaffungen werden jetzt von gut der Hälfte der Befragten verschoben.

Ob nur aufgeschoben oder doch aufgehoben, ist schwer vorherzusagen. Sehr wahrscheinlich werden aber nicht wenige Menschen von großen und kostenintensiven Anschaffungen erst einmal gänzlich Abstand nehmen (müssen). Denn fast jeder Zweite muss derzeit mehr Geld sparen als vorher.

Vorfreude auf die Zeit danach

Geht es Ihnen manchmal auch so? Sie verlieren sich in Tagträumen darüber, was Sie alles unternehmen werden, wenn das alles vorbei ist? Für die meisten steht fest: Freunde und Familie stehen an erster Stelle. Scheinbar hat Corona dafür gesorgt, dass wir die Zeit mit unseren Liebsten wieder mehr wertschätzen lernen. Und: Wir alle wollen das Leben und unsere Freiheit erst einmal wieder richtig genießen. Daher stehen Besuche von Restaurants und Bars sowie das Verreisen ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste.

Was bleibt nach dem Blick auf die vielen Zahlen? Wir schätzen die Qualität von Informationsmedien wieder mehr wert und wir nutzen das Internet mit all seinen Facetten, um jetzt unseren Alltag zu meistern. Es zeigen sich teils gravierende Unterschiede zwischen Alt und Jung, teilweise jedoch auch überraschende Parallelen. Ob das Online-Shopping tatsächlich einen Boom erfährt, bleibt abzuwarten – wenngleich sich lokalen Händlern hier große Chancen bieten. Und trotz der intensiven Nutzung von Skype, Zoom & Co.: Wir freuen uns dann doch am meisten auf das „richtige“ Beisammensein mit Familie und Freunden. Vielleicht sind wir virtuelle Kommunikation dann erst einmal satt. Das Wichtigste ist aus meiner Sicht jedoch die Tatsache, mit dem ich diesen Artikel begonnen habe: Wir schauen größtenteils optimistisch in die Zukunft.

Autor: René Coiffard, CSO / OMD Germany, 07.04.2020

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