Let's Make Lemonade Podcast 28
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Podcast: Let’s Make Lemonade #28 / Hybrid Work, Remote Work… welche Schritte der Veränderung jetzt notwendig sind

In unserer heutigen Podcast-Folge sprechen Teresa Hertwig (Geschäftsführerin von GetRemote) und Peter Kuhlmann (Chief Operating Officer, Omnicom Media Group Germany) über flexible Arbeitsmodelle, Chancen und Herausforderungen für Unternehmen sowie Büros der Zukunft. Fakt ist, die Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Fraglich ist daher nicht, ob wir in die Büros zurückkehren werden, sondern wann und in welchem Ausmaß es wieder los geht. Ob Hybrid Work oder Remote Work: Teresa und Peter diskutieren dabei auch, welche Schritte der Veränderung bei mobilen Arbeitsweisen notwendig sind. Viel Spaß beim Zuhören!

Teresa ist Gründerin und Geschäftsführerin von GetRemote Consulting sowie Autorin des Buches „360° Remote Work”, welches vor kurzem erschienen ist. Sie begleitet Unternehmen bei der Etablierung einer nachhaltigen Remote Work Kultur & Struktur, ohne, dass die Produktivität darunter leidet. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf Arbeitgeberattraktivität, Zufriedenheit der Mitarbeitenden und Unternehmenserfolg.

Peter ist Chief Operating Officer bei der Omnicom Media Group Germany und begleitet federführend den „New Work“-Prozess in der Agenturgruppe.

Aktuelle Erfahrungen im Homeoffice

Da die Wünsche und Bedürfnisse der Unternehmen und Mitarbeitenden sehr verschieden sind, ist entsprechend auch die Verteilung von Büro- und Homeoffice-Befürwortenden. Generell wird die jetzige Situation sehr unterschiedlich wahrgenommen: Auf der einen Seite ist für viele Mitarbeitende beispielsweise die Freude auf persönliche Begegnungen im Büro so groß, dass es nicht schnell genug zurück ins Office gehen kann. Andererseits nehmen viele die gesteigerte Produktivität im Homeoffice als sehr positiv wahr und würden gerne auch zukünftig fünf Tage die Woche in den eigenen vier Wänden arbeiten. „Diese Diskrepanz braucht im Endeffekt einen Kompromiss“, so Teresa. Sie unterstützt Unternehmen dann dabei, diesen Kompromiss zu finden.

Ausbildung und Onboarding unter erschwerten Bedingungen

Eine Herausforderung von Remote Work stellt die Ausbildung und das Onboarding neuer Mitarbeitenden dar. Nicht nur das inhaltliche und fachliche Lernen wird erschwert, sondern auch das Kennenlernen der Unternehmenskultur ist beim Arbeiten im Homeoffice beeinträchtigt.  Während sonst durch einfaches „Zuschauen“ neue Beschäftigte vieles vor Ort im Büro lernen und adaptieren können, ist der Einsatz des Sehsinns bei diesen Aspekten im Homeoffice nicht möglich. Zudem sind viele Mitarbeitenden verunsichert, da sie nicht konkret wissen, welche Verhaltensweisen der Arbeitgeber erwartet: Wie schnell muss ich auf Chatnachrichten oder E-Mails antworten? Oder darf ich zwischendurch einkaufen gehen und dafür etwas länger arbeiten? Laut Teresa müssen daher diese implizierten Verhaltensweisen, die sonst durch Beobachtungen erlernt werden, explizit festgehalten werden.

Ein Team-Kodex für eine erfolgreiche mobile Zusammenarbeit

Die Lösung, die Teresa anbietet, ist ein „Team-Kodex“, in dem Führungskräfte und ihre Teams Fragen zu den Verhaltensweisen und Erwartungen gemeinsam festlegen und klären. Dieses Regelwerk, das für eine sichere und vertrauensvolle mobile Zusammenarbeit sorgen soll, „ist niemals fertig“, führt Teresa weiter aus. Vielmehr sind Optimierungen in regelmäßigen Abständen zwingend notwendig – der Teamkodex sollte immer wieder hinterfragt und angepasst werden.

Obwohl sich GetRemote vor allem auf die Struktur und das Wirken innerhalb eines Unternehmens bezieht, ist es trotzdem einer der ersten Schritte, herauszufinden, „welche Bedingungen müssen wir denn nach Außen überhaupt erfüllen, um die Freiheiten nach Innen festlegen zu können“, so Teresa Deswegen sollten bei den Leitlinien im Kodex auch die Erwartungen von Kunden, Projektpartnern und Lieferanten, berücksichtigt werden.

Chancen und Risiken von Remote Work

Für Peter ist eine große Chance von ortsunabhängigen Arbeitsmodellen die Flexibilität: Durch Remote Work entsteht eine größere Arbeitsplatzmobilität – ohne, dass die Menschen ihren Lebensraum verschieben müssen und der zugleich auch für verschiedene Lebensentwürfe offen ist. Dadurch, dass Mitarbeitende nicht unbedingt im Unternehmen vor Ort präsent sein müssen, steigt damit zum einen die Auswahl an möglichen Mitarbeitenden und zum anderen wird es leichter an globalen Projekten zu arbeiten. Flexibles Arbeiten wird zudem in Zukunft eine Grundvoraussetzung für Stellenangebote von Unternehmen am Arbeitsmarkt sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch über das Einsparen und die Umstrukturierung von Räumlichkeiten wird häufig nachgedacht, obwohl zurzeit viele Unternehmen diesen Maßnahmen noch skeptisch gegenübersteht.

Problematisch kann eine digitale Entfremdung für die Team-Bildung sein, welche auch dazu führen könnte, dass Produktivität negativ beeinflusst wird. Wie wichtig physische Zusammentreffen sind und welche neuen Ansätze Unternehmen, die komplett remote arbeiten nutzen, um den sozialen Austausch zu fördern, berichtet Teresa auch im Gespräch mit Peter.

Welche Tipps gibt Teresa Führungskräften?

  • „Führungskräfte brauchen Zeit zur Führung.“

  • „Auf jeden Fall Videomeetings einführen. Audio reicht nicht aus.“

  • Weg von der E-Mail hin zur transparenten Arbeitsweise und Einführung eines Aufgabenmanagement-Tools.

Ein Service-Hub als Büro der Zukunft

Insbesondere wenn zu Hause mal das Internet streikt oder ein ruhiger Ort zum Arbeiten gesucht wird und es die familiäre Situation nicht zulässt, ist das Büro laut Peter mittlerweile eins: ein „Service-Hub“. In Zukunft werden die heutigen Büros immer mehr zu einem solchen „Service-Hub“ umfunktioniert, welches die Mitarbeitenden dabei unterstützt, ihre optimalen Leistungen zu erbringen. Von Rückzugsort, über Collaboration Spaces bis hin zu Ausbildungscenter: Welche Bedeutung solche Anforderungen an einem Büro auch für die räumliche Gestaltung und das Design von Bürogebäuden hat, wird zukünftig auch ein spannender Aspekt sein.

Teresa fügt hinzu, dass wohl nur wenige Unternehmen zur hundertprozentigen Remote Work übergehen werden. Genauso werden kaum Unternehmen ausschließlich im Büro arbeiten. Vielmehr wird es eine breite Range zwischen den beiden Extremen geben, bei der in jeden Fall das Wissen und die Wünsche der Mitarbeitenden mit einbezogen werden sollten, um eine bestmögliche Bürostruktur zu entwickeln.

Da solche Maßnahmen mit hohen Investitionen verbunden sind und die Unternehmen unsicher sind hinsichtlich der Akzeptanz der Mitarbeitenden, scheuen sich einige vor der Umsetzung der Umstrukturierung. Ein möglicher Anfang besteht in der Pilotierung, bei der kontinuierliche Anpassungen und Adaptionen vorgenommen werden.

The Sweetest Lemon

Zum Schluss kommen wir noch zu unserer Rubrik „The Sweetest Lemon“. Diesmal lautet die Frage: Was ist die größte Chance, der Game-Changer – im positiven Sinne – in einer hybriden beziehungsweise remoten Arbeitswelt?

Für Teresa ist die größte Chance, eine menschlichere und gleichzeitig auch eine wirtschaftlichere, erfolgreiche Arbeitswelt schaffen zu können – ohne die Mitarbeitenden an das Büro zu binden.

Dem schließt sich Peter an und ergänzt: Für ihn haben die Führungskräfte durch effektivere Arbeitsweisen ihrer Mitarbeitenden die Möglichkeit, ihren Fokus mehr auf Führungsaufgaben zu legen.

Über Teresa Hertwig und GetRemote

Zu Beginn ihrer Berufstätigkeit hatte Teresa Hertwig den klassischen büro-gebundenen 9 to 5 Job. 2013 konnte sie ihren Chef davon überzeugen, teilweise ortsunabhängig arbeiten zu dürfen. Seitdem wechselte sie zwischen Bürophasen in Berlin, Homeoffice bei ihrer Familie in Passau und mehreren Wochen Auslandsaufenthalt im Winter. Infolge der positiven Ergebnisse dieser Zeit wurde ihr die Agenturleitung übertragen und sie hat das ganze Unternehmen auf mobiles Arbeiten umgestellt und geleitet. Als Initiatorin und treibende Führungskraft hinter dieser Entwicklung hat Teresa Hertwig die Vorteile und Chancen genauso wie die möglichen Stolpersteine dieser Arbeitsweise kennengelernt.

Seit Anfang 2018 begleitet sie mit ihrer Unternehmensberatung GRC – GetRemote Consulting GmbH Firmen bei der Etablierung einer nachhaltigen Remote Work Kultur & Struktur, ohne dass die Produktivität darunter leidet. Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Unternehmenserfolg ist damit gesichert!

Mehr Information auf www.getremote.de

Autorinnen:
Luisa Kerroumi, Auszubildende zur Kauffrau für Marketingkommunikation / Omnicom Media Group Germany
Laura Sommerhäuser, Junior Marketing & PR / Omnicom Media Group Germany

13.04.2021

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