Auswirkungen der Corona-Krise auf den Bereich E-Commerce

Die Corona-Krise bestimmt und verändert derzeit nachhaltig unser Leben – sowohl beruflich als auch privat. Wir sind mehr denn ja auf der Suche nach zuverlässigen Informationen und die gute, „alte“ Tagesschau mausert sich ganz nebenbei zu einer der relevantesten Informationsquellen dieser Tage. Gleichzeitig sehen wir uns einerseits mit einem überquellenden Informationsangebot und Streaming-Optionen konfrontiert, stehen andererseits aber vor leeren Supermarktregalen. In einer Zeit der permanenten Verfügbarkeit von allem und jedem ist dies eine sehr ungewöhnliche Situation. Viele Waren, die zuvor in naheliegenden Geschäften immer vorrätig waren, sind nun offline quasi nicht mehr verfügbar. Dies ist eine Erfahrung, die in der heutigen Generation kaum mehr bekannt sein dürfte. Daher wird sie so prägend sein und uns alle nachhaltig beeinflussen – insbesondere unser Konsumverhalten.

Änderung des Konsumverhaltens: Der Blick nach China, Italien und Frankreich

Einen kleinen Vorgeschmack auf Verhaltensänderungen im täglichen Konsum erhalten wir beim Blick über Deutschlands Grenzen hinweg: In China steigen die Online-Bestellungen für Artikel des täglichen Bedarfs rasant, auch bei den klassischen E-Commerce-Verweigerern in der älteren Generation.

In Italien und Frankreich führt Amazon Bestellungen für Artikel, die nicht aus dem Bereich des täglichen Verbrauchs stammen, gar nicht mehr aus. In Deutschland verschiebt sich die „Lieferung am nächsten Tag“ teilweise bis auf acht Tage. Ganz beiläufig werden 100.000 neue Mitarbeiter gesucht. Und dies in Zeiten, in denen andere Unternehmen über Kurzarbeit nachdenken. Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, welcher Dynamik unsere Einkaufsgewohnheiten derzeit unterliegen: einem massiven Shift von Allzeitverfügbarkeit offline zur Steigerung der Onlinekäufe. Meiner Meinung nach ist dieser Effekt nicht nur vorübergehend.

E-Commerce in Corona-Zeiten in Deutschland

Auch in Deutschland ist in den vergangenen Tagen eine deutliche Verschiebung des Einkaufsverhaltens erkennbar. Derzeit werden insbesondere Artikel online gekauft, für die viele Konsumenten bislang eine Offline-Präferenz hatten.

Sei es, weil die Produkte um die Ecke nicht mehr verfügbar sind oder weil man den Gang nach draußen scheut. Diese Verhaltensweise ist zunächst von außen (Ausgangs- bzw. Kontaktsperren) initiiert. Gleichzeitig bringt sie auch Personenkreisen, die dem Onlinekauf bisher kritisch gegenüberstanden, nahe, wie bequem und angenehm es doch sein kann, alles geliefert zu bekommen. Der Effekt ist auch an der Börse ablesebar: Während die weltweiten Aktienmärkte einen Abwärtstrend verzeichnen, erzielen Unternehmen mit digitaler Verfügbarkeit ein Wachstum (z. B. Amazon). Wir sehen: Die aktuelle Situation birgt zahlreiche Herausforderungen, aber auch Chancen!

Drei Thesen zur Zukunft des E-Commerce

Aus den oben genannten Erkenntnissen lassen sich mehrere Thesen zur Zukunft des E-Commerce ableiten:

  1. Die Corona-Krise wird unser Einkaufsverhalten maßgeblich und nachhaltig verändern.
  2. E-Retailer – allen voran Amazon – erkennen diesen Trend und verändern ihre Prioritäten.
  3. Aufgrund des veränderten Mediennutzungs- und Konsumverhaltens werden heute und in Zukunft Mediaspendings überdacht und anders verteilt.

Meine Prognose für die nächsten zwölf Monate ist, dass die Betrachtung der E-Commerce-Kanäle für eine tragfähige, digitale Mediastrategie noch unerlässlicher wird als bisher. Um in diesem Bereich erfolgreich zu sein, müssen außerdem bereits bestehende Partnerschaften neu bewertet werden. Dies gilt sowohl im Handel als auch in der Logistik: Media und E-Retail werden noch stärker zusammenwachsen. Werbemöglichkeiten und Spendings werden in diesem Bereich angepasst. Gleichzeitig gilt es aber auch, Zuverlässigkeit zu gewährleisten, indem in das Markenimage und ein einwandfreies und sicheres Einkaufserlebnis investiert wird. Wer sich jetzt positiv positioniert, kann sich einen Wettbewerbsvorteil für die Zukunft schaffen. Trotz Corona sehen wir also einer spannenden E-Commerce Zukunft entgegen.

Wir beraten Sie gerne dabei, diese Zukunft erfolgreich zu gestalten! Melden Sie sich gerne bei mir.

Autorin: Petra Schmidt, Head of E-Commerce / Omnicom Media Group, 26.03.2020

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